Vermissen

Gestern vermisste ich dich
alle Atome
die mein Wesen ausmachen
die meine Substanz bestimmen
eine Eins gefolgt von 28 Nullen,
verlangten nach dir
sehnten sich nach dir
dürsteten nach dir
wollte mich vor der Operation
von dir verabschieden
und
du erschienst nicht

Ein Tag danach
lag ich auf dem Operationstisch 

Nie hatte ich Angst vor dem Tod
obschon dessen Hände
brüchiger waren als
jede Art kitschiger Daseinsformen
welche,
ich in der früheren Zeit hatte
nur hatte ich Angst
in einem Land zu sterben
in dem
der Lohn der Totengräber
höher war
als
die Freiheit der Menschen

In einem Operationssaal
in dem mein Körper
einer abgelegenen Insel glich
sagte mir die Narkoseärztin;
„Denken Sie an etwas Schönes“

Ich dachte an die Ahnen
welche
die Pyramiden gebaut hatten
die Felder bestellt hatten
die Minen in Felsen getrieben hatten

Ich drückte die Augen zu
öffnete sie wieder

Ich sah an, Ra, den ägyptischen Sonnengott
sah an, Mithras, den persischen Sonnengott
sah an, Helios, den griechischen Sonnengott
und sah dich an, meine Sonnengöttin
wie du mit einer Nadel
zwischen deinen wunderbringenden Fingern
mein zerrissenes Herz
zusammen nähtest
und
ich wurde von Schmerzen befreit
von Lasten der Vergangenheit
wurde geheilt
von vergangenen Quallen
fand neuen Sinn
neue Bedeutung